Prima facie - Staatstheater Meiningen
Schwurgerichtssaal im Landgericht Meiningen, Meiningen
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Regie führt Yannick Fischer
Die jüngsten Zahlen der Kriminalstatistik sind ein Hoffnungsschimmer. Insgesamt sind die Straftaten in Deutschland zurückgegangen. Einen signifikanten Anstieg verzeichneten hingegen die Sexualstrafdelikte, doch dies deutet auch darauf hin, dass trotz einer immensen Dunkelziffer immer mehr Frauen den Mut haben, eine Vergewaltigung anzuzeigen.
Luzie Miller, australische Autorin, die bei diesem Stück auf ihre Erfahrungen als Menschenrechtsanwältin zurückgreifen konnte, hat mit „Prima Facie“ 2019 das Stück der Stunde geschrieben und einen Welterfolg gelandet, der bis heute anhält. Das Stück handelt von einer Vergewaltigung. Die Protagonistin Tessa Ensler verkörpert dramaturgisch geradezu genial zwei Seiten der Problematik: Als Anwältin ist sie spezialisiert auf die Verteidigung von vermeintlichen Sexualstraftätern einerseits und als Frau, die selbst das Opfer einer Vergewaltigung wird, muss sie andererseits erleben, wie ein Justizsystem es den Opfern schwer macht, Gerechtigkeit zu erfahren.
So erleben wir am Anfang des Stückes kein Opfer, sondern eine Juristin in Höchstform, die sich zu 100 Prozent mit dem System, für das sie arbeitet, identifiziert. Kein Fall ist ihr zu schwierig, ihre Plädoyers sind brillant und die Klägerinnen müssen ihre Verhöre fürchten. Doch dann kommt die Nacht, die ihr Leben verändern wird. Prima facie, „dem ersten Anschein nach“, ist Tessas Version der Geschichte unglaubwürdig. Wie kann sie gegen ein über Generationen von Männern geprägtes System die weibliche Perspektive behaupten und Gehör finden?
Luzie Millers Text ist ein starkes feministisches Plädoyer gegen eine Justiz, in wahrscheinlich allen Teilen der Welt, die es versäumt, Opfer von Vergewaltigungen ausreichend zu schützen. In der Inszenierung von Yannick Fischer spielt Evelyn Fuchs diese beeindruckende fiktive Figur, die für viele andere Frauen auf dieser Welt ihre Stimme erhebt und das Schweigen bricht. Der große Verhandlungssaal des Landgerichts Meiningen in der Lindenallee wird dabei zum besonderen Spielort.
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